{"id":5130,"date":"2023-01-11T10:27:45","date_gmt":"2023-01-11T09:27:45","guid":{"rendered":"http:\/\/thomasesche.de\/wordpress\/?p=5130"},"modified":"2024-11-04T15:11:39","modified_gmt":"2024-11-04T14:11:39","slug":"leseliste-winter-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/thomasesche.de\/wordpress\/leseliste-winter-2023\/","title":{"rendered":"Leseliste Winter 2022\/2023"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-luminous-vivid-orange-color has-text-color\">Man kann nicht alle B\u00fccher dieser Welt lesen, versuchen muss man es. (ganz frei nach Jorge Amado)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn du kannst weinen (Le sagouin), Francois Mauriac, 1951.<br \/><em>Guillaume &#8211; Kindheit in g<em>ro\u00dfb\u00fcrgerlichem Haushalt in der Provinz<\/em>. Cern\u00e8s bei Langon\/Garonne &#8211; und damit nicht weit der Domaine de Malagar. Gro\u00dfmutter und Vater verm\u00f6gen den Jungen nicht zu sch\u00fctzen vor der verbalen Gewalt der Mutter. Umfassende Vernachl\u00e4ssigung. Empathische W\u00fcste. Als Guillaume seine Lage erkennt &#8211; Katharsis.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Jahre. Annie Ernaux. 2008.<br \/><em>In Frankreich haben sich \u00e4hnliche Entwicklungen ergeben wie in Deutschland. Weniger erschreckend als desillusionierend. Es gibt keine Willensfreiheit des Menschen.<\/em> <br \/><em>Daran anschlie\u00dfend nochmal lesen &#8222;Tochter aus gutem Hause&#8220; von Simone de Beauvoir.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vom Fr\u00fchling und von der Einsamkeit. Gabriele Tergit. 2020.<br \/><em>Reportagen aus den Gerichten Berlins 1924 bis 1949. Kleine Leute stehen vor Gericht &#8211; ein Sittenbild der Weimarer Republik. Eigentlich jedoch steht die Epoche vor Gericht. Besser als jedes Geschichtsbuch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klassenbeste, Marlen Hobrack, 2022<br \/><em>Lehrst\u00fcck ostzonesischer Sozialisation und dadurch kluger Blick auf &#8222;uns&#8220; alle. Lehrst\u00fcck bundesrepublikanischer Klassenverh\u00e4ltnisse. Herkunft pr\u00e4gt und fesselt mehr als Bildung. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doppelleben, Alain Claude Sulzer, 2022<br><em><em>Roman \u00fcber ein Dienstm\u00e4dchen u ihre Herrschaft, zweier Br\u00fcder. <\/em><\/em><em>Empathisch geschrieben &#8211; in dieser m\u00e4nnerfeindlichen Zeit sogar gegen\u00fcber der zween M\u00e4nner. Erz\u00e4hlkultur vergangener Zeit. Ein Genuss<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein. Armin Falk. 2022.<br \/><em>Der Verhaltens\u00f6konom zeigt ethologische und psychologische Gr\u00fcnde und Ursachen f\u00fcr unsere moralisches Handeln oder Nicht-Handeln auf. Das beruhigt nat\u00fcrlich auch allenthalbes schlechtes Gewissen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sechs Koffer. Roman. Maxim Biller. 2018<br \/><em>Es geht um J\u00fcdisches, Juden, ihre Vertreibungsgeschichte, um j\u00fcdische Familiengeschichte in grausamer Zeit. Ausschlie\u00dflich. Nie um Religion. Da ja nun das J\u00fcdische nie etwas Rassisches war, in aufgekl\u00e4rten Zeiten und f\u00fcr aufgekl\u00e4rte Juden auch nichts zwingend Religi\u00f6ses ist, bleibt nurmehr das Herk\u00fcnftige.<\/em> <em>Kein Wunder, da\u00df man Biller frug, warum er nicht &#8222;davon&#8220; lassen k\u00f6nne.<\/em><br \/><em>Da ich im Text kein literarisches Meisterst\u00fcck erkenne, frage ich mich, wieso die Rezensionen in so hohen T\u00f6nen Maxim Biller hochloben. Vielleicht ist es ja wie in der Politik: wer Israel kritisiert, wird der Antisemitie beschuldigt, wer j\u00fcdische Literatur &#8230; doch &#8222;honi soit qui &#8230;<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sieben Versuche zu lieben, Maxim Biller. 2020.<br \/>G<em>leiches Urteil wie zu &#8222;Sechs Koffer&#8220; von 2018<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1974, David Peace, 2005<br \/><em>Grand Prix Roman Noir &#8211; offenbar eine Auszeichnung f\u00fcr Gossensprache, Gossenthemen. Was eine Abortliteratur. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interventionen. Essays. Michel Houellebecq. 1998.<br \/><em>Bevor man mit der mainstream-Presse Houellebecq als Rechten bezeichnet, soll man seine essyas lesen. Er analysiert die Mi\u00dfst\u00e4nde nicht allein Frankreichs, sondern unserer europ\u00e4ischen Zeit. H. h\u00e4lt es f\u00fcr m\u00f6lglich, da\u00df das Maskuline nur eine unheilvolle Episode bildet. Die sogenannten femininen Werte Selbstlosigkei, Liebe, Mitgef\u00fchl, Treue und Sanftheit &#8211; heute ins L\u00e4cherliche gezogen &#8211; h\u00e4lt er f\u00fcr Werte einer h\u00f6heren Kultur, deren Verschwinden eine Trag\u00f6die sei.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Zeit, Teresa B\u00fccker, 2021.<br \/><em>Ein kluges Buch. Unlesbar durch ma\u00dfloses Gendern (&#8222;Freund_innenschaft&#8220;). Lesen im Flu\u00df nicht m\u00f6glich, wenn die Sprache Dich ausbremst. Deutsche Sprache k\u00f6nnte so sch\u00f6n sein. Hier ist sie allein sach-dienlich. So finden Form und Inhalt nicht mehr zusammen.  <\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einsamkeit der Seev\u00f6gel, G\u00f8ril Gabrielsen, 2017.<br \/><em>Mutterseelenallein lebt eine junge Frau auf einsamer nordnorwegischer Insel. Frau versucht, Autarkie zu leben. Geht das? Zu welchem Ende? Erinnert mich an mein Einhandsegeln. Trag\u00f6dien im Kopf &#8211; da braucht es keine \u00e4u\u00dfern. Bedr\u00fcckend. Lesenswert. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rombo, Esther Kinsky, 2022<br \/><em>lesenswert wie ihre Gel\u00e4nderomane<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Galigai (Galiga\u0457), Francois Mauriac, 1952.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">S\u00fcnde (Le Mal), Francois Mauriac, 1924.<br \/><em>Ein unzeitgem\u00e4\u00dfer Roman. Lesenswert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Silvergelatin. A Users Guide to Liquid Photographic Emulsions. Martin Reed e. Sarah Jones, 2001.<br \/><em>Alles, was zu beachten ist f\u00fcr kreatives photoarbeiten etwa auf Leinwand.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">J\u00e4ger &#8211; Handwerk, Bruno Hespeler, 2015.<br \/><em>Nit nur f\u00fcr Jager, au fir de Biolog.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der falsche Gru\u00df, Maxim Biller, 2021.<br \/><em>Nach hochjubelnden Kritiken &#8230; trotzdem lesenswert. plot: nichtj\u00fcdischer Schriftsteller gr\u00fc\u00dft im Cafe einen j\u00fcdischen Schriftsteller mit Hitlergru\u00df. Wennauch Billers Stil nicht den hochjubelnden Applaus verdient, der sich in Rezensionen findet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Mann seiner Klasse, Christian Baron, 2020.<br \/><em>Straft Marlen Hobracks &#8222;Klassenbeste&#8220; nicht L\u00fcgen. Aus welchen &#8222;Verh\u00e4ltnissen&#8220; kommend ein junger Mann sich rausk\u00e4mpft. Der Familienvater die Familie beherrschend mit Schl\u00e4gen und Alkohol. Schulsozialarbeiter kennen solche &#8222;Verh\u00e4ltnisse&#8220; zum Erbrechen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur See. D\u00f6rte Hansen. 2022.<br \/><em>Im ruhigen humorvoll emphatischen Erz\u00e4hlton wie gewohnt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8230; und dann gibt es die B\u00fccher, die nicht eigentlich Literatur sind &#8230; Kunsthandwerk? &#8230; auch wenn ein Franzos jetzt wieder in Lachen ausbrechen w\u00fcrde angesichts solch bierernster deutscher Unterscheidungen &#8230;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verschwiegen. Eva Bj\u00f6rg Aegisdottir. 2018.<br \/><em>Krimi. Sexuelle Gewalt P\u00e4dophiler. Unsch\u00f6ner doch guter Plot.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stadtgrenze, Veit Bronnenmeyer, 2009<br \/><em>Krimi, keine Literatur, lebt m\u00fchsam vom plot<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Finstersee, Matthias Moor, 2013<br \/><em><em>Krimi, keine Literatur, lebt halbwegs vom plot.<\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Choreograph, H\u00e5kan Nesser, 1988<br \/><em>Novelle nach dem Motiv des Ewigen Juden. So allerdings nicht rezensiert, wohl weil der normale Krimirezensient auf dem \/ f\u00fcr das Niveau nicht arbeitet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durst, Jo Nessb\u00f8, 2017<br \/><em>Krimi, keine Literatur, lebt allein vom plot, reiner Zeit-Vertreib.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Protokoll f\u00fcr eine Entf\u00fchrung. Ross Thomas. 2016.<br \/><em>Politthriller wie ein Carre. In Chandlers Sprache.<\/em> <em>Guter Plot.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Messer, Jo Nessb\u00f8, 2019<br \/><em>Krimi, keine Literatur, lebt allein vom plot, reiner Zeit-Vertreib.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paradise. Zoe Beck. 2020.<br \/><em>Guter Plot. In der Zukunft. Deutsche K\u00fcste unter Wasser. Die Bev\u00f6lkerung durchgesundet mittels Gesundheitsapp.<\/em> <em>Grauenvolle Zukunft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens. Oliver Bottini. 2017.<br \/><em>Landgrabbing in Rum\u00e4nien.<\/em> <em>Spannender Plot.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schwarzes Gold, Manotti, 2020<br \/><em>crime noir, aber guter plot<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Himmel \u00fcber London, H\u00e5kan Nesser, 2015<br \/><em>Plot schon auch spannend, Aufl\u00f6sung mau.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die f\u00fcnfte Frau, Henning Mankell, 1996<br \/><em>Spannender Plot, viel gesellschaftskritische Einlassungen. Vielleicht war die schwedische Gesellschaft uns voraus. Eher aber haben gute Schriftsteller gutes Gesp\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br \/><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br \/><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man kann nicht alle B\u00fccher dieser Welt lesen, versuchen muss man es. 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