Ende der Reise?

πάντα ῥεῖ. Nichts endet. Es geht immer weiter. Schon allein der Innere Monolog.

26.X.2018 – Die Fahrt endet nicht zuhaus.

Sechs Segelmonate setzen sich nicht einfach ab. Nach knapp zwei Wochen Stupferich finde ich Bücher, Photoapparate und andres Zyg an genau den Stellen wieder, an denen ich sie vor 6 Monaten ablegte, als wäre keine Zeit vergangen. Ein-finden zu hause. Aber …
Da lebt gewaltig, was ich während sechs Monaten sah. Während ich Blumen gieße oder den Boden fege, sehe ich …
…                Wasserglitzern, Klippen, Wellen, Wogen, Blumen im Wind, Menschen, granitne Schärenufer, Häfen, Wasser, Containerschiffe, Wasser an Granit schlagend, Schilf im Sturm, Kaimauern, Dünung, Wind in Kiefern, Sturm im Rigg, glatte Wasser, aufgewühlte Wasser, graues Meer, blaues Wasser, Schaumkämme heranstürmend, das Boot in einer Bucht liegend, Wasser, Wellen, Wogen, Schaumkämmchen, Wasser, Wasser, Wasser.

Um mich herum: ruhige, statische Welt Stupferich. Die Verkäuferin beim Bäcker, die Metzgerin, der Hausarzt, sind an dem Ort, an dem ich sie im Frühjahr verließ. Wie ertragen die das? Ich nehme mein Leben auf, wie ich es zurückgelassen hatte. Als wäre ich nicht fortgewesen. Ich backe einen Zitronenkuchen, koche eine Muschelsuppe, esse am Mohrenkopfkiosk einen frischen Mohrenkopf, koche einen Griesbrei, schnipsle Birnen und lege sie in den Trockenapparat, klaufe Fallobst, sammle Walnüsse. Genieße Elke, den deutschen Wald, hoch wie eine Kathedrale. Genieße Ruhe. Faulheit. Photographiere. Treffe andre Hundebesitzer, damit Jamie mit alten Freunden rumkälbert und rumsaut.Wie gut, nicht jeden Tag segeln zu müssen. Wie? Was? Was soll das denn heißen?

27.X.2018 – Als Nachrichtenjunkie im Netz

Nachrichten in NZZ, Deutschlandfunk, Die ZEIT, spiegel-online, Der Freitag, Aljazeera. Lese Kommentare bei WOZ, Journal21, Krautreporter. Ich bin mit dem Kopf wieder in Diskussion über Parteienlandschaft BRD, verbale Gewalt in Politik/im Netz/auf der Straße, #metoo, u.u.u.
Hatte genossen, davon unbelastet zu sein. Genieße jetzt, mich damit zu belasten.
Mit dem Kopf in der großen Welt, lebe ich körperlich in einer kleinen Stupferich-Welt.
Auf dem Boot war ich 2467 Seemeilen in der Welt draußen, wenn ich mich auch zumeist nur bewegte in der 25-qm-Welt Plicht-Salon-Koje.

28.X.2018 – Das Einhandsegeln und das Denken

Segeln – insbesondere per einhand und „auf Fahrt“ – eröffnet Dir im Denken eine „Zone des Innehaltens oder Verweilens“ (Roger Willemsen). Sechs Monate Denken! Ungeachtet dessen, ob meditativ oder per Innerem Monolog. Zu denken gibt es Vieles und viel, steht man 6 Monate am Steuer. Und außer Wasser gibts da ja nix. Meinte Axel mal. Aber das stimmt so auch nicht.